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Wie sieht es mit dem gelegentlichen Konsum von Wein, Sekt oder Bier während der Schwangerschaft aus? Ist es dramatisch, wenn Du als werdende Mutter mal ein Gläschen trinkst? Oder ist es harmlos?

Die Sonne scheint, der Frühling fühlt sich schon fast wie Sommer an und die Tage werden immer länger: Es zieht uns raus auf die Wiesen und in die Biergärten.  Das gesellige Leben nimmt wieder zu und dazu gehört meist auch der Genuss von einem Glas Bier oder Wein. Aber Vorsicht: Alkoholkonsum in der Schwangerschaft hat es in sich:

Ein Gläschen ist kein Gläschen, oder?

Es gibt Studien zu übermäßigem Alkoholkonsum in der Schwangerschaft. Welche Auswirkungen allerdings geringe Mengen an Alkohol beim Kind haben, ist noch nicht ausreichend erforscht.

Sicher ist allerdings, dass der Alkohol plazentagängig ist und somit jedes Glas Alkohol direkt bei Deinem ungeborenen Kind ankommt. Es trinkt sozusagen mit. Der Alkohol gelangt durch  Deinen Blutkreislauf über die Nabelschnur direkt zum Kind. Dort wirkt er in gleicher Konzentration wie bei Dir. Da der Abbau des Alkohols im Blut Deines Kindes viel langsamer verläuft, als bei Dir, wirkt das Gift im kindlichen Körper auch noch länger. 

Was macht der Alkohol beim Kind?

Die giftige (=toxische) Wirkung von Alkohol ist bei übermäßigem Konsum in der Schwangerschaft schon relativ gut erforscht und kann zu Fehlgeburten, zu Schäden bei der Entwicklung Deines Kindes im Mutterleib und später zu intellektuellen Defiziten oder zu psychischen Auffälligkeiten führen.

Wovon ist die Wirkung des Alkohols abhängig?

Je nach Schwangerschaftsphase ist die Wirkung des Alkohols unterschiedlich.

Embryonalphase

In den ersten 14 Tagen nach der Befruchtung wird der Embryo durch das mütterliche Blut ernährt. In dieser Zeit geht die Wissenschaft davon aus, dass der Alkoholkonsum der Mutter keine bleibenden Schäden beim Kind verursacht. Grund dafür ist, dass zu dieser Zeit die geschädigte Zellen gegebenenfalls noch durch neue ersetzt werden können. Außerdem herrscht eher das „Alles-oder-Nichts-Prinzip“ vor: Bei einer starken toxischen Störung wird eher ein Frühabort auslöst, ggf. auch ohne, dass eine Schwangerschaft als solche bemerkt wurde.

Von der 1. bis zu Beginn der 11. Schwangerschaftswoche, also der Phase der Organbildung, ist der Embryo besonders sensibel gegenüber allen toxischen Einflüssen. Die durch Alkohol induzierten Fehlbildungen werden jetzt ausgelöst.

Fetalphase

Während der gesamten Fetalphase, die von der 11. Schwangerschaftswoche bis zur Geburt reicht, kann Alkohol Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung des Kindes haben.

Darüber hinaus besteht im gesamten 2. Trimenon, ein starker Zusammenhang  zwischen einem moderaten Alkoholkonsum und Fehlgeburten.

Nach der Geburt

Säuglinge von Müttern, die in der Schwangerschaft übermäßig Alkohol getrunken haben, lassen sich von ihren Eltern nur schwer beruhigen, wenn sie schreien. Außerdem schlafen und essen sie schlecht. Im Kleinkindalter sind sie leicht reizbar und unruhig. Das Zusammenspielen mit anderen Kindern fällt ihnen schwer.

Im späteren Leben

Im Jugendalter sind sie überdurchschnittlich häufig aggressiv bis gewalttätig oder depressiv. Sie haben Probleme, sich einfache Sachverhalte zu erschließen oder zu merken. Es kann ihnen schwer fallen, Bindungen einzugehen, worunter sie sehr leiden. Noch als Erwachsene können sich die meisten nicht selbst versorgen und brauchen lebenslange Betreuung.

Welche Menge Alkohol in der Schwangerschaft ist zuviel?

Eine Studie hat bereits 1992 nachgewiesen, dass es beim Konsum von einem Glas Wein pro Tag (das entspricht etwa 120 Gramm Alkohol pro Woche) zu erkennbaren Schäden beim Kind kommt, deren Folgen das Kind ein Leben lang begleitet.

Obwohl zur Zeit noch eindeutige Forschungsergebnisse über die Auswirkungen geringerer Mengen Alkohol in der Schwangerschaft fehlen, gehen Wissenschaftler davon aus, dass auch diese Schäden verursachen. Das ist ja auch einleuchtend, wenn man sich vorstellt, dass das Gift ungefiltert und direkt beim Kind ankommt.

Was ist mit den Vätern?

Wenn Du eine Schwangerschaft planst, sollte auch der zukünftige Vater bewusster mit Alkohol umgehen. Skandinavische Wissenschaftler vermuten, dass der Alkoholkonsum des Vaters Auswirkungen auf die Familienplanung haben kann. Im Vergleich zu abstinent gebliebenen Männern, stieg die Fehlgeburtenrate um ein fünffaches, wenn der Vater in spe zehn oder mehr Gläser Alkohol pro Woche getrunken hatte. Schon frühere Studien haben gezeigt, dass die Alkoholkonzentration im Samen schnell derjenigen im Blut entspricht. Dort kann dieser dann Chromosomenfehler in den Spermien verursachen. Deshalb wird empfohlen, dass auch der Mann während der Zeit, in der das Kind gezeugt werden soll, besser keinen Alkohol trinkt.

Lasst doch einfach beide die Finger vom Alkohol

In unsere Kultur, wo Bier und Wein trinken als harmlos und normal gilt, ist es gar nicht so leicht, komplett auf Alkohol zu verzichten.

Aber jetzt, wo Du weißt, welche Auswirkungen der Alkoholkonsum hat, fällt es Dir vielleicht leichter, darauf zu verzichten. Führe Dir immer wieder vor Augen, was Du damit für die Gesundheit Deines Kindes tust. Es kommt sicher auch während der Schwangerschaft immer wieder mal zu einer Situation, in der Du gerne mal wieder mit anstoßen würdest. Dann denke an diesen kurzen Beitrag und hoffentlich lässt du es dann bleiben.

Überlegt Euch auch als Eltern gemeinsam, wie Ihr Euch gegenseitig unterstützen könnt. Vielleicht habt Ihr ja auch Lust, gemeinsam neun Monate lang den Alkohol wegzulassen. Auch Eure Gesundheit wird es Euch danken.

Das Kinderheldin-Team wünscht Dir eine gesunde und alkoholfreie Schwangerschaft. 

Hast Du Fragen zum Thema Alkohol in der Schwangerschaft? Frage einfach eine unserer Hebammen bei Kinderheldin und lass Dich persönlich beraten!

 

 

Quellen:

FASD-Zentrum, Berlin

International Journal of Epidemiology: Ogston & Parry, 1992

Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.

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