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Der Schnuller ist umstritten: Manche ExpertInnen verdammen ihn komplett, andere schwören drauf und die Industrie ist natürlich daran interessiert, Schnuller zu verkaufen. Und zwischen all diesen Meinungen steht Ihr als Eltern mit einem schreienden Kind und fragt Euch, ob es legitim ist, einen Schnuller zur Beruhigung zu benutzen!?

Wie sollen Eltern mit dem Schnuller umgehen?

Um Euch eine Entscheidung zu erleichtern, möchten wir von Kinderheldin Euch heute einen kleinen Überblick über die aktuelle Lage bezüglich der Nutzung des Schnullers geben:

Fakt 1: Das Saugbedürfnis

Es gilt als gesichert, dass kleine Kinder grundsätzlich ein Saugbedürfnis haben (man erkennt das auch an dem Namen “Säugling”, der eindeutig auf diese Verhaltensweise anspielt). Saugen beruhigt, wirkt schmerzlindernd, hilft beim Einschlafen, tröstet und erleichtert die Aktivierung des Verdauungssystems. Insofern wundert es auch niemanden, dass Kinder an allem saugen, was ihnen in die Quere kommt. Bereits im Mutterleib sieht man die Kleinen schon am Daumen oder manchmal auch an der Nabelschnur nuckeln. Wahrscheinlich übt der spätere Saugprofi schon mal für die Nahrungsaufnahme außerhalb des Mutterleibs. Denn: Ohne kräftiges Saugen gibt’s später keine Milch. So einfach ist das.

Fakt 2: Stand der Wissenschaft

Es gibt bis heute leider keine eindeutigen Studien, die klar für oder gegen den Schnuller sprechen. Ältere Studien haben meist nicht zwischen gestillten und nicht-gestillten Kindern unterschieden und neuere Studien unterscheiden noch immer nicht ausreichend zwischen ausschließlich gestillten und teilgestillten Kindern. Außerdem enden viele Studien, wenn die StudienteilnehmerInnen erst wenige Monaten alt sind, so dass über die Langzeitauswirkungen auf das Stillen, den Zeitpunkt der Beikosteinführung oder andere Faktoren kaum Aussagen getroffen werden können.

Wie wird der Schnuller eingesetzt?

In welchem Ausmaß der Schnuller eingesetzt wird und für welchen Zweck, wird in den vorhandenen Studien bisher ebenfalls nicht ausreichend berücksichtigt. Also, ob die Eltern den Schnuller nur zum Einschlafen/ in der Nacht oder auch tagsüber zu verschiedenen Gelegenheiten einsetzen? Ob er regelmäßig zur Beruhigung eingesetzt oder nur in Ausnahmefällen verwendet wird? Versuchen die Eltern, ihr Kind zunächst mit anderen Mitteln zu beruhigen (Körperkontakt, Tragen etc.) oder ist der Schnuller die erste Maßnahme? Wird das Kind nach Bedarf ernährt oder wird der Schnuller dazu eingesetzt, Abstände zwischen den Mahlzeiten zu verlängern/ Hungerzeichen zu übergehen?

Auch zwischen den verschiedenen Formen und Größen wird bei den Studien nicht unterschieden, obwohl dies durchaus Auswirkungen haben könnte.

Fakt 3: Die positive Wirkung des Schnullers

Für Frühgeborene kann ein Schnuller therapeutische Wirkung haben und ist daher in bestimmten Fällen hilfreich.

Dem Schnuller wird eine schützender Effekt gegen den plötzlichen Kindstod zugesprochen – allerdings scheint dies vor allem für nicht-gestillte Kinder zu gelten. Außerdem gilt der Effekt nur für den Einsatz beim Einschlafen, nicht für den alltäglichen Gebrauch.

Fakt 4: Der Schnuller und das Stillen

Für gestillte Säuglinge, die häufig am Schnuller saugen, erhöht sich das Risiko für ein zu seltenes Saugen direkt an der Brust, wodurch die ausreichende Stimulation der Brust nicht sichergestellt ist und die Milchbildung sich nicht voll etablieren kann. Für erfolgreiches Stillen ist das nicht nur der Ernährung dienende (= non-nutritives) Saugen an der Brust ebenso notwendig, wie das nährende Saugen. Stillen dient eben nicht nur der Ernährung, sondern auch der Beruhigung und der Geborgenheit.

Ob die Einführung eines Schnullers das Stillen generell stört und somit zu früherem Abstillen führt, ist nicht abschließend geklärt. Für beide Varianten gibt es entsprechende Studienergebnisse.

Fakt 5: Der Schnuller und die Kieferstellung

Ein intensiver Gebrauch auch noch im Kleinkindalter hat einen negativen Effekt auf die Kieferstellung und die Sprachentwicklung. Das Team von Kinderheldin widmet sich diesem Thema in einem eigenen Blogbeitrag.

Handlungsempfehlungen

Aufgrund all der genannten Punkte hat sich in den vergangenen Jahren folgender Konsens etabliert:

Stillen geht vor

Das Stillen ist die wichtigste Präventionsmaßnahme gegen verschiedenste Erkrankungen und Risiken – dazu zählen auch der Plötzliche Kindstod, Mittelohrentzündungen und Zahnfehlstellungen. Daher sollte besonderen Wert auf eine gelingende Stillbeziehung gelegt werden und der Schnuller sicherheitshalber frühestens dann eingeführt werden, wenn das Stillen richtig gut klappt.

Gestillte Kinder sollen an der Brust nicht nur ihr Nahrungs- sondern auch ihr Saugbedürfnis befriedigen. Eine Begrenzung der Zeit an der Brust, eine Regulierung oder Behinderung des “nur Nuckelns” an der Brust wird nicht empfohlen.

Nicht zu schnell zum Schnuller greifen

Der Schnuller sollte nicht die erste Beruhigungsmaßnahme bei einem unruhigen Kind sein. Zuwendung, Körperkontakt, Tragen und andere Beruhigungsmöglichkeiten sollen Vorrang haben.

Was solltest Du beachten, wenn Du den Schnuller geben willst

Wenn ein Schnuller verwendet wird, sollte er verantwortungsbewusst eingesetzt werden. Ganz nach dem Prinzip: “So wenig wie möglich, so viel wie nötig!”

Bei Nicht-gestillten Kindern

Nicht-gestillte Kinder können zum Einschlafen einen Schnuller erhalten, sofern das Baby ihn gerne akzeptiert. Keinesfalls soll er aufgezwungen werden und auch nicht erneut in den Mund gesteckt werden, wenn er herausgefallen ist.

Bei Stillkindern

Der gelegentliche Einsatz eines Schnullers bei bereits gut eingespielter Stillbeziehung, die ohne Stillprobleme (Wunde Mamillen, Milchstau, Mastitiden etc.) verläuft, scheint keinen negativen Effekt auf das Stillen zu haben. Wenn bereits Stillprobleme bestehen, kann der Schnuller die Situation jedoch verschärfen.

Bei Kindern ab 3 Monaten

Ab einem Alter von ca. 3 Monaten führen Säuglinge vermehrt ihre Hände und später Gegenstände zum Mund. Dies ist ein normaler und wichtiger Entwicklungsprozess, der nicht behindert werden sollte. Es dient der Entdeckung und Untersuchung von Dingen mit Hilfe von Lippen und Zunge und ist nicht gleichzusetzen mit dem klassischen Daumenlutschen aus Gewohnheit. Ein Schnuller kann diese Entdeckungsreise stören, also verwendet ihn auch in diesem Alter eher sparsam.

Wir hoffen, wir konnten Euch zum Thema Schnuller einen guten aktuellen Überblick geben.

Dein Team von Kinderheldin

Hast Du weitere Fragen zu diesem Thema? Vereinbare einen Chat oder ein Telefonat bei Kinderheldin und lass Dich persönlich von uns beraten!

 

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