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Die meisten Frauen haben Angst, dass sich ihre Vagina nach der Geburt stark verändert. Als Hebammen begegnen uns immer wieder die Fragen: Wie wird meine Vagina nach der Geburt aussehen? Werde ich nach der Geburt ‘untenrum’ so gedehnt bleiben, dass wir keinen Spaß mehr am Sex haben? Wobei, ehrlich gesagt, meist nicht der eigene Spaß der Frau im Vordergrund steht, sondern eher die Sorge mitschwingt, ob Frau nach der Geburt noch “eng genug” für den Mann ist. Wobei es eigentlich selbstverständlich sein sollte, dass alle Beteiligten Spaß daran haben! Milton Diamond, amerikanischer Sexologe, hat einmal gesagt: “Das wichtigste Sexualorgan liegt zwischen den Ohren, nicht zwischen den Beinen.” Spaß und Lust an der Zweisamkeit hängen nicht vom Zustand der Vagina ab, sondern vom Kopf und …dem Beckenboden. 

Wie verändert sich die Vagina nach der Geburt?

Obwohl wir die Sorge über den Zustand der Vagina nach der Geburt nachvollziehen können, macht es uns traurig, dass sich die Gerüchte darum immer noch so hartnäckig halten. Deshalb möchten wir mit dem Mythos aufräumen, dass die Scheide nach der Geburt stark geweitet bleibt.

Es ist eines der größten Wunder der Natur, wie anpassungsfähig das weibliche Genital ist. Bei einer natürlichen Geburt vergrößert sich die Vagina kurzfristig und ohne Probleme um das Zehnfache. Danach erholt sich das Hohlorgan recht schnell wieder und bildet sich zügig zurück. Bereits eine Stunde nach der Geburt kann man sich schon nicht mehr vorstellen, dass da jemals ein Baby durchgepasst haben soll. Und nach sechs Wochen besteht kein Unterschied mehr zwischen der Scheide einer jungen Mutter und der einer Frau, die nie vaginal geboren hat.

Was wirklich zählt: Der Beckenboden macht den Unterschied

Jene Muskeln des weiblichen Intimbereichs, die allerdings für das Lustempfinden beider Partner beim Sex verantwortlich sind und trainiert werden können, sind die der Beckenbodenmuskulatur. Sie bildet den muskulären Verschluss des Beckens und ist dafür verantwortlich, dass die Bauch- und Beckenorgane (z.B. Harnblase, Gebärmutter und Darm) dort bleiben, wo sie hingehören. Außerdem sorgt sie dafür, dass Du kontrolliert auf’s Klo gehen kannst und darüber hinaus spielt sie beim Orgasmus eine wesentliche Rolle. Eine starke Beckenbodenmuskulatur sorgt dafür, dass die Vagina den Penis fester umschließen kann und ein An- und Entspannen des “Liebesmuskels” kann für beide die sexuelle Lust steigern.
Du kannst Dir den Beckenboden wie eine dreilagige Hängematte vorstellen, die in deinem knöchernen Becken aufgespannt ist. Je weniger sie durchhängt, desto optimaler funktioniert sie.

Welche Rolle spielt der Beckenboden?

Der Beckenboden in der Schwangerschaft

Unter dem Einfluss hormoneller Veränderungen wird die Beckenbodenmuskulatur in der Schwangerschaft immer weicher, obwohl sie zunehmend mehr Gewicht tragen muss. Hintergrund ist, dass sie sich darauf vorbereitet, unter der Geburt soviel Platz für Dein Kind machen zu können, wie nötig. Ob Dein Beckenboden in der Schwangerschaft bereits überfordert ist, merkst Du an ungewolltem Urinabgang beim Husten, Niesen, Springen oder Bücken.

Der Beckenboden nach der Geburt

Unter der Geburt werden Beckenbodenmuskulatur und Vagina ziemlich gedehnt. Logisch, dass sich in den ersten Tagen nach der Geburt Dein Genitalbereich weich, locker und irgendwie “offen” anfühlt. Teilweise ist er auch geschwollen und Du verspürst so einen diffusen Druck nach unten. Das ist normal und geht durch körperliche Schonung und Entlastung des Beckenbodens ein paar Tage nach der Geburt merklich zurück.

Was kannst Du gegen einen schlaffen Beckenboden tun?

Training

Beginnen kannst du, nach Rücksprache mit Deinem Arzt oder einer Hebamme, ab dem 10. Tag nach der Entbindung mit leichten Übungen, bei denen es darum geht, wieder ein gutes Gespür für den Beckenboden zu bekommen. Mit einem echten Aufbautraining für den Beckenboden solltest Du frühestens 8 Wochen nach der Entbindung beginnen. Dafür empfiehlt sich vor allem ein qualifizierter Rückbildungskurs zum Einstieg. Darüberhinaus empfehlen wir Dir regelmäßige Übungen und ein beckenbodenschonendes Verhalten.

Gewichte

Eine Ergänzung zum gezielten Beckenbodentraining sind Vaginalgewichte. Das sind kleine konische Gewichte, die vaginal eingeführt werden und dann über einen gewissen Zeitraum vom Beckenbodenmuskel gehalten werden müssen. Weil eine schwache Muskulatur die relativ kleinen Konen allerdings noch gar nicht halten kann, eignen sie sich vor allem zum Ausdauertraining bei bereits relativ stabilem Beckenboden, aber noch nicht direkt nach einer Entbindung.

Wir wünschen Dir einen verlässlichen Beckenboden.

Dein Team von Kinderheldin

Hast Du Fragen zum Beckenboden oder willst wissen, wie Du ihn im Alltag schonen oder trainieren kannst? Frage einfach eine unserer Hebammen bei Kinderheldin und lass Dich persönlich beraten!

christiane_hammerl
Jetzt live:Hebamme Christiane