Das Wehen ABC

Deine Schwangerschaft neigt sich dem Ende zu und du kannst es kaum erwarten, dein Baby nach all diesen langen Monaten endlich im Arm zu halten? So geht es vielen werdenden Eltern, wobei neben der Vorfreude natürlich auch Unsicherheiten und Angst völlig normal sind. Gerade wenn es dein erstes Kind ist, begibst du dich in ein unbekanntes Abenteuer. Damit du den richtigen Zeitpunkt für die Fahrt ins Krankenhaus oder Geburtshaus erwischt, haben wir dir die wichtigsten Infos zum Thema Wehen zusammengestellt.

Was sind Wehen?

Dein Baby wächst im Idealfall 40 Wochen lang sicher und behütet in deiner warmen, gemütlichen Gebärmutter heran. Bei diesem Organ handelt es sich um einen erstaunlichen Muskel. Im Verlauf deiner Schwangerschaft dehnt sich deine Gebärmutter von etwa Faustgröße soweit aus, dass dort ein kleiner Mensch Platz findet - manchmal sogar zwei oder drei.

Wehen sind also nur ein anderes Wort für die Kontraktionen der Gebärmutter. Wie z.B. beim Bizeps-Training auch, ziehen sich dabei die einzelnen Muskelfasern zusammen und werden dadurch kürzer und in der “Mitte” stärker. Dadurch öffnet sich der Muttermund und der obere Teil der Gebärmutter wird stärker, um in der Austrittsphase dein Kind mit jeder Kontraktion tiefer zu schieben.

Was passiert in meinem Körper?

Da es sich bei deiner Gebärmutter um einen Muskel handelt, kann sich dieser wie erwähnt sowohl an- als auch entspannen. Während jeder Wehe spannt sich die Gebärmutter zunächst stark an, indem sie sich zusammenzieht und dehnt sich anschließend wieder aus.

Wie bei einem Wadenkrampf erfolgen auch Wehen unkontrolliert. Das erklärt die Schmerzen, die du dabei erfahren kannst: Wenn du schon einmal einen Wadenkrampf hattest, kennst du das sicherlich. Im Gegensatz zum Wadenkrampf haben Wehen jedoch einen guten Zweck: Jede einzelne Wehe bringt dich deinem Baby ein Stückchen näher. Sie sind notwendig, weil dein Kind nicht aus eigener Kraft geboren werden kann. Dein Kind benötigt die Wehen als Vorbereitung auf die Umstellung außerhalb des Bauches.

Welche Wehen sind für die Geburt wichtig?

Nicht jede Wehe leitet gleich den Geburtsvorgang ein. Du wirst öfter leichte Wehen verspüren, die aber vollkommen normal und kein Grund sind, gleich ins Krankenhaus zu fahren. Dabei handelt es sich um die sogenannten Übungswehen, mit denen sich dein Körper auf die eigentliche Geburt vorbereitet. Sie sind meist kurz, wenig schmerzhaft und bleiben unregelmäßig. In der Regel spürst du sie nur, weil dein Bauch kurz hart wird. Übungswehen können auch schon ab der 20. Schwangerschaftswoche auftreten und dauern höchstens eine Minute.

Ab der 36. Schwangerschaftswoche werden die leichten Übungswehen stärker. Sie können sich nun als heftiges Ziehen im Unterleib bemerkbar machen und Schmerzen im Rücken sowie im Unterleib verursachen. Solange diese Wehen unregelmäßig bleiben und nach kurzer Zeit wieder abklingen, handelt es sich lediglich um Senkwehen. Diese bringen dein Baby in die richtige Geburtsposition. Das Baby kommt tiefer in dein Becken und dein Gebärmutterhals wird kürzer. Der Muttermund kann sich bereits ein wenig öffnen.

Tipp: Du kannst dir ein warmes Bad einlassen oder schön warm duschen gehen (mind. 20 Minuten und angenehm warm): Verschwinden die Wehen während des Badens, handelt es sich nur um Vorwehen und du kannst beruhigt zu Hause bleiben. Bei echten Wehen hingegen kann das warme Wasser die Wehentätigkeit ein wenig verstärken (das muss aber nicht sein) und du solltest dich ins Krankenhaus begeben.

Woran erkenne ich echte Wehen?

Doch wie kannst du nun herausfinden, ob es sich lediglich um Vorwehen bzw. Senkwehen handelt oder wann du dich besser auf den Weg zum Kreißsaal machen solltest? Zunächst einmal ist die Wahrscheinlichkeit, dass du dein Baby zu Hause gebären musst, gering. Gerade wenn es dein erstes Kind ist, wird die Geburt sich vermutlich mehrere Stunden hinziehen und du hast genügend Zeit, dich auf den Weg zu machen. Rufe bei Unsicherheiten auch gern deine Hebamme an und frage sie um Rat.

Echte Geburtswehen erkennst du zudem an diesen Symptomen:

  • zunächst nur leichtes Ziehen im Unterleib

  • Ziehen wird stärker und erfolgt in immer kürzeren Abständen

  • Wehenabstände sind regelmäßig (gern auf die Uhr schauen)

  • aus dem Ziehen werden allmählich schmerzhafte Kontraktionen (Geburtswehen ziehen nicht. Geburtswehen sind schmerzhaft, es kommt wie eine Welle, die Wehen baut sich auf und wieder ab; mind 60 sec. In diesem Moment ist ein Unterhalten nicht mehr möglich.)

Welche Geburtswehen gibt es?

Zunächst spürst du die sogenannten Eröffnungswehen, die sich gerade bei Erstgebärenden etwas ziehen können. Während dieser kannst du noch zu Hause bleiben und Kraft für die Geburt schöpfen. Ein warmes Bad (Hinweis: nicht allein sein) und leichte Bewegung (z. B. gemeinsam Spazieren gehen oder Treppensteigen) fördert die Wehentätigkeit. Die Eröffnungswehen lassen sich meist gut aushalten und veratmen. Als deutlich unangenehmer empfinden die meisten werdenden Mütter die Eröffnungsswehen, während derer sich der Muttermund öffnet. Während dieser wirst du dich vermutlich nur noch in den Wehenpausen bewegen können.

Tipp: Im Geburtsvorbereitungskurs lernst du spezielle, einfache Atemtechniken, mit denen du den Geburtsschmerz während der Wehen verringern kannst. Atme dazu tief und gleichmäßig in den Bauch ein und laut auf "A" wieder aus. Auch in einem Yogakurs für Schwangere lernst du Techniken, mit denen sich Wehen weniger schmerzhaft anfühlen. Eine gute Vorbereitung hier kann Hypnobirthing sein.

In der letzten Phase der Geburt kommen die Presswehen ins Spiel. Die Wehen schieben den Kopf deines Kindes weiter in das Becken. Dort ensteht Druck auf deine Nerven und somit ein natürlicher Drang zum Pressen. In dieser Zeit möchte man von ganz alleine mitpressen – deine Hebamme unterstützt dich im richtigen Moment dabei.

Das sagt Hebamme Vivian zu den Presswehen
Versuche, die Stirn und den Kiefer zu entspannen, dann lässt du auch auch den Beckenboden locker und dein Baby hat es leichter, geboren zu werden. :-)

Wann muss ich ins Krankenhaus / Geburtshaus?

Du solltest dich auf den Weg ins Krankenhaus machen sobald die Wehen in regelmäßigen Abständen von 5 auftreten und jeweils mindestens eine Minute anhalten. Wenn du zum Krankenhaus oder Geburtshaus einen weiteren Anfahrtsweg hast, plane die Wegzeit mit ein und fahre früher los. Denke hier auch an Wetter, Verkehr und die Tageszeit. Auch bei einem Blasensprung bzw. dem Platzen der Fruchtblase solltest du zeitnah sofort los, außer dein Fruchtwasser ist grün oder du wurdest GBS positiv getestet, dann schneller.

Die 5-1-1-Regel
Die 5-1-1 Regel greift, wenn die Wehen alle 5 Minuten kommen, mind. 1 Minute dauern und das seit 1 Stunde. Dann solltest du los!

Ein kleiner Einblick in Hypnobirthing von Hebamme Vivian
Das Wort “Wehen” impliziert bereits, dass die Kontraktionen der Gebärmutter “weh tun”. Daher nennen wir Wehen im Hypnobirthing auch Wellen – ein wesentlich angenehmeres Wort. Im Hypnobirthing geht man davon aus, dass die eigene Angst die Schmerzen beeinflusst und nicht die Kontraktion selbst. Mehr über die Wellen und entspannende Atemtechniken für eine sanfte Geburtserfahrung erfährst du im Hypnobirthing-Kurs.

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